Streunerhund

Im ersten Teil habt ihr erfahren was ihr im Vorfeld tun könnt, damit die Chancen so hoch wie Möglich sind, dass er bald wieder bei euch auf dem Sofa liegt.

Ist der Hund entlaufen, sind leider viele Hundehalter in der ersten Panik mit der Situation überfordert und wissen nicht was zu tun ist. Dieser Beitrag hilft euch dabei, alle Möglichkeiten auszuschöpfen die ihr habt, um den Hund wiederzufinden.

… und plötzlich ist der Hund weg

Um die Suche möglichst erfolgreich zu beginnen spielen viele Faktoren eine Rolle. Jagd der Hund gerne? Ist er eher ein kleiner Angsthase? Befand man sich im Wald oder in der Innenstadt? Kennt der Hund die Umgebung oder ist es eine neue Gassi-Route? Ist der Auslöser für das Davonlaufen bekannt, wie ein lauter ungewohnter Knall? Hat man den Hund schon länger oder ist er erst seit kurzem ein Familienmitglied? Ist es ein großer oder ein kleiner Hund, usw.

Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass der Hund noch in der Nähe ist und nur nicht auf die Rufe reagiert weil er z. B. gerade einer interessanten Fährte oder einer läufigen Hündin hinterher schnüffelt. Für den Anfang wäre es, je nach Hund, Situation und Umgebung, in diesem Fall hilfreich zwischendurch einfach still dort zu warten wo man ihn zuletzt gesehen hat. Ruft man ihn permanent, dann weiß er das man noch da ist und wird wahrscheinlich eher weiter seiner Tätigkeit nachgehen, als zurück zu kommen. Bei meinem Labbi hat diese Variante funktioniert.

Ist man jedoch mit einem kleineren Hund im Wald unterwegs und hat in näherer Umgebung Löcher im Boden (z. B. durch Fuchsbauten) gesehen, ist es sinnvoller sich bei Freunden Hilfe zu holen, als alleine zu warten. Sodass einer am Verlustort warten kann und der andere die nähere Umgebung absucht, insbesondere die Löcher, da es sein kann, dass der Hund infolge seines Triebes in einen Fuchsbau gekrochen, stecken geblieben ist und deswegen nicht zurückkommen kann.

Genauso gut kann es sein, dass euer Hund, wie der einer Freundin von mir, ein kleiner Abenteurer ist. Wenn ihm danach ist, dann läuft er während eines Spazierganges auf dem Feld davon und wartet dann Daheim vor der Haustüre, sobald er die Lust an der Erkundungstour verloren hat. Da macht es wenig Sinn stundenlang vor Ort zu warten.

Da es unzählige Varianten gibt, die ich natürlich nicht alle kennen oder selbst erfahren haben kann, beschränke ich mich hier nur auf eine allgemeine Empfehlungen. Ihr seid jedoch herzlich eingeladen mir eure Erfahrungen mitzuteilen, die ich dann hier, wenn ihr es möchtet, veröffentlichen kann.

 

Don’t Panic! Erste Hilfe naht. : -)

(Gassi-)Freunde um Hilfe bitten und Passanten informieren

Zunächst empfehle ich, mehrere Freunde um Hilfe zu bitten, die der Hund kennt und mag. Idealerweise “Gassi-Freunde” mit eigenem Hund, welche die Umgebung des Verlustortes und die üblichen Gassi-Routen des Hundes absuchen und unter jeden Stock und Stein schauen, während man selbst am Verlustort darauf wartet, dass der Hund vielleicht zurückkommt. Zeitgleich sollte man auch dafür sorgen, dass jemand Zuhause ist, falls der Hund dorthin zurückkehrt.

Begegnet man noch anderen Spaziergängern oder Passanten sollte man diese auf jeden Fall fragen ob sie den Hund gesehen haben. Hilfreich ist es auch diesen Menschen die eigene E-Mailadresse zu geben, falls der Hund später gesehen wird.

 

Verlassen des Ortes

Bleibt der Hund verschwunden und man muss den Ort verlassen, sollte man etwas dort lassen was der Hund kennt. Eine Decke, eine Jacke oder ähnliches, damit der Hund einen “Bezugspunkt” hat um dort zu warten. Am besten mit einem Informationszettel, damit vorbeigehende Passanten den Gegenstand nicht entfernen und auch darüber informiert sind, dass der Hund gesucht wird.

Zusammenfassung:

  • Vor Ort warten und Freunde bitten die Umgebung und die üblichen Gassi-Routen abzusuchen
  • Dafür sorgen das jemand Daheim ist, falls der Hund nach Hause läuft
  • Passanten informieren und E-Mailadresse mitteilen
  • Beim Verlassen des Ortes etwas für den Hund gewohntes hinterlassen

 

Der Hund ist immer noch weg

Ist der Hund nicht gefunden worden, ist es an der Zeit den entsprechenden Stellen mitzuteilen das der Hund entlaufen ist. Bitte informiert wirklich alle Behörden, Institutionen, Freunde, Nachbarn und alle die euch sonst noch einfallen, auch wenn ihr der Meinung seid es würde reichen nur eine Stelle zu informieren. Mit jeder Person die darüber Bescheid weiß erhöht sich die Chance den Hund zu finden!

Folgende Informationen sollten den meisten Stellen mitgeteilt werden:

  • Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mailadresse des Halters)
  • Name des Hundes
  • Mikrochip-Nummer
  • Rasse, Farbe, Fellart, Alter und Geschlecht
  • Besondere Merkmale wie z. B. nur ein Auge, besondere Fellfärbung, Krankheiten, etc.
  • Ort, Datum und Uhrzeit wo der Hund zuletzt gesehen wurde
  • ein Foto

Zusammenfassung der zu informierenden Stellen aus dem ersten Teil von “Hilfe, mein Hund ist weg!”:

  • Veterinäramt: (MA 60) 01/4000 8060 oder online.
    Das sollte die erste Anlaufstelle sein um den Verlust des Hundes zu melden.
  • Forstamt (MA 49): 01/4000 49000
    Das Forstamt sollte (insbesondere in ländlichen Gegenden) informiert werden, damit der Hund nicht versehentlich als “Wilderer” eingestuft und im schlimmsten Fall von einem Jäger erschossen wird.
  • Tierklinik der Vedmed Uni Wien 01/25077 5555
    Es besteht leider auch die Möglichkeit das der Hund angefahren und eventuell dort eingeliefert wurde.
  • Örtliche Polizei
    Viele Menschen die einen Hund finden und sonst nichts mit Hunden zu tun haben rufen als erstes die Polizei an.
  • Örtliche Feuerwehr
    Immer wieder nachfragen ob die Feuerwehr zu einem Tier-Rettungseinsatz gerufen wurde, die zu der Beschreibung des Hundes passt.
  • Tierheime
    Informiert am besten alle Tierheime in Österreich und nicht nur das TierQuarTier (ab Februar 2015) und das Tierheim des Wiener Tierschutzvereins. Es besteht die Möglichkeit das jemand der es gut meinte, den Hund bei seinem Kurzurlaub in Wien mitgenommen hat und dann an seinem Heimatort im Tierheim abgibt.
  • Tierärzte
    Informiert so viele Tierärzte in der Umgebung wie es nur geht. Hunde können weitere Strecken zurücklegen als man ihnen zutraut. Wenn der Hund hoffentlich gechippt ist, dann weiß der jeweilige Tierarzt sofort Bescheid, falls jemand den Hund zu einer Untersuchung bringt.
  • Tierschutzvereine
  • Nachbarn
  • Hundefreunde

 

Was man sonst noch tun kann

Das war natürlich noch nicht alles. Es warten, zum Teil dank unseres modernen Zeitalters, noch viele weitere Möglichkeiten auf uns die genutzt werden können!

Und vor Allem nicht aufgeben, egal wie lang die Suche dauert!

 

Zusatzinfo: Der Hund ist im Urlaub davongelaufen

Leider ist der Tierschutz in vielen Ländern noch nicht soweit Fortgeschritten wie bei uns und die Gemeinden, wie z. B. in unserem Nachbarland Ungarn, sind dazu verpflichtet Streuner von der Straße zu holen und in Auffangstationen zu bringen. Letztendlich werden die meisten Tiere nach Ablauf einer recht kurzen Frist getötet, wenn sie nicht von ihren Besitzern kostenpflichtig abgeholt oder irgendjemandem “freigekauft” werden.

Ein Familienmitglied sollte daher im Urlaub auf jeden Fall die Auffangstationen in der näheren Umgebung besuchen, während ihr selbst an dem Ort wartet an dem der Hund entlaufen ist!

Literaturempfehlung zu dem Thema:

  • Liebling verzweifelt gesucht, Eveline Kosenbach & Bettina Lemke, dtv premium Verlag

Foto: © mecc /pixelio.de

Piri

Medieninhaberin bei Verrücktes Hundsviecherl
Derzeit lerne ich im Lehrgang von Sheila Harper alles was man über das Training mit Hunden wissen sollte und lasse mich zusätzlich noch via Fernstudium zur Hundetrainerin und Verhaltensberaterin für Hunde ausbilden. Das Wichtigste im Leben sind für mich Tiere, aber vor allem natürlich mein Mann, unsere Mischlingshündin und unsere Katze.
Sonstige Interessen: Kreativ sein (schreiben, fotografieren, malen, ...) und diverse Hundebücher/-magazine lesen.

... und pssst! Manchmal bin ich mit Marzipan bestechlich. ;-)

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