Pfui!

Anzahl tödlicher Vergiftungen bei Hunden in Wien steigt.

Zumindest kann man den Eindruck gewinnen, wenn man regelmäßig diverse Informationsquellen verfolgt. Ganz unschuldig sind wir Hundehalter sicher nicht an dieser Situation. Die meisten Hundebesitzer gehen während ihrer Gassi-Runde respektvoll mit ihren Mitmenschen um. Sowohl jenen mit Hund, als auch ohne. Doch leider nicht alle.

Der tut nix
Aussagen bei einem in der Stadt freilaufenden Hund wie “Der tut nix!” oder “Der will nur spielen!”, kennt wohl jeder von uns. Es mag durchaus sein, dass es in dem Moment der Wahrheit entspricht, aber ein Mensch der Angst vor Hunden hat, erleidet Höllenqualen, selbst dann wenn der Hund 2 Meter entfernt vorbeigeht und ihn noch nicht einmal anschaut. Diesen Menschen fehlt im dem Moment die Sicherheit, dass der Hund an der Leine und somit unter der Kontrolle des Halters ist. Im schlimmsten Fall starrt der verängstigte Mensch den Hund an um ihn jederzeit im Auge zu haben, statt “beschwichtigend” zur Seite zu sehen. Das könnte der ein oder andere Hund vielleicht als Bedrohung empfinden und entsprechend reagieren.

Auch Hunde haben Angst
Es kann ebenso sein, dass der freilaufende und freundliche Hund während der Runde einen anderen Hund sieht und ihn begrüßen geht. Im Normalfall ist es natürlich wünschenswert das unsere Hunde Sozialkontakte pflegen, jedoch haben viele von uns Hunde die eine schlimme Vergangenheit haben und (noch) nicht ausreichend gelernt haben, dass andere Hunde ihnen nicht an den Kragen wollen.

Meine Hündin gehört zum Beispiel zu diesen Hunden. Erst heute morgen ist es mir wieder passiert, dass ein Hundebesitzer seinen Kampfschmuser mit den  Worten “Die trägt nur einen Maulkorb weil wieder Gift ausgestreut wurde” an meine Hündin ran gelassen hat. Ich hatte sofort als ich den anderen Hund gesehen habe die üblichen “Trainingsmaßnahmen” angewendet. Leider war das Eck um das der Hund kam nicht weit weg und ich hatte nicht viel zeitlichen Spielraum, aber sie war noch entspannt, sodass ich ihr kurz Zeit geben konnte den Hund wahrzunehmen und ihr zeitgleich mit lockerer Leine und mit zur Seite gedrehten Körper den Richtungswechsel, von dem Hund weg, signalisieren konnte. Funktionierte auch bestens. Sie hatte die Möglichkeit die Situation “abzuchecken” und die Position des Hundes zu bestimmen und drehte sich anschließend zu mir, bekam ihre Belohnung und wir gingen weiter.

Leider hatte der Besitzer die Situation total Missverstanden und dachte vermutlich das wir die Richtung gewechselt hatten, weil ich seinen Hund für gefährlich hielt, holte uns nach wenigen Metern ein und erklärte uns warum sein Hund einen Maulkorb trug. Das war meiner Hündin zu viel und sie fiel in ihr übliches Schema. Kamm aufstellen und so laut wie möglich bellen damit der andere Hund verschwindet. Was er dann natürlich auch tat. Was hat mein Hund dann in dem Moment gelernt? “Ich brauche nur laut bellen und der Hund verschwindet.”

Für mich als Halter erschweren solche Situationen es enorm, dem Hund beizubringen, dass die meisten Hunde freundlich sind. Ich denke vielen anderen Hundebesitzern mit verhaltenskreativen Hunden ergeht es da ähnlich. Zukünftig werde ich immer einen Infozettel zur Aktion Gelber Hund bei mir tragen, den ich solchen Menschen in die Hand drücken werde.

Gelber Hund?!
Die Idee zum Gelben Hund (gulahund/yellowdog) stammt ursprünglich aus Schweden und ist schnell erklärt. Der Hundehalter befestigt irgend etwas gelbes (ein Tuch, ein Band, u.ä.) an Geschirr, Halsband oder Leine und signalisiert damit, dass Abstand erwünscht und Kontakt mit anderen Hunden oder Menschen unerwünscht ist, weil der Hund/die Hündin:

  • läufig ist
  • sich im täglichen Training befindet
  • zum Therapiehund ausgebildet wird
  • krank ist und vielleicht sogar ansteckend
  • verletzt ist
  • noch Angst hat vor seiner Umgebung/anderen Hunden hat
  • usw.

Angriffslustiges Gacksi
Immer wieder hört man auch als Argument, dass der Hundehalter die Hinterlassenschaften nicht wegräumt weil es ja eh Dünger für die Wiese ist oder man im Dunklen nicht in den Haufen eines fremden Hundes treten möchte. Letzteres ist sogar nachvollziehbar, aber selbst dafür gibt es eine Lösung. Einfach eine kleine Taschenlampe mitnehmen. Wem das zu umständlich ist, dem empfehle ich die PiccoBello Gassi-Box. Das ist ein Kotbeutel-Spender in Hundeform mit LED Leuchte, den man mit einem kleinen Karabinerhaken an der Hose oder Jacke befestigen kann.

Ich selbst bin auch schon das ein oder andere Mal in die verdauten Reste einer Hunde-Mahlzeit gestapft und hab mich furchtbar geärgert. Insbesondere als ich darauf ausgerutscht und mir den Hinterkopf angeschlagen habe. Was wäre wohl passiert, wenn nicht ich sondern eine gebrechliche Dame darauf ausgerutscht wäre? Mein Körper verträgt sowas, aber sehr betagte Menschen können sich dabei, wenn sie ungeschickt hinfallen, die Knochen brechen.

Giftköder als Hilfeschrei
Welche Möglichkeiten sich zu schützen haben Menschen mit Canophobie (Angst vor Hunden), Nachbarn die es leid sind ständig in Hundehaufen zu treten, Spaziergänger die ihre Kinder schützen wollen oder aus anderen Gründen begonnen haben Hunde zu hassen? Mir persönlich fallen da nur wenige ein. Unterschriftensammlungen, sich politisch dafür einsetzten oder Giftköder. Giftköder auszulegen ist die einfachste und schnellste Variante. Wie tief muss der Hass schon sitzen, dass man in Kauf nimmt das sich daran auch Kinder und Wildtiere vergiften könnten oder das man eventuell erwischt wird? Meiner Meinung nach, sehr tief. Daher interpretiere ich es als Hilfeschrei und als Weckruf an alle Hundebesitzer endlich mal über den eigenen Tellerrand hinauszusehen.

Die Opfer der Köder
Die Leidtragenden bei der Auslegung sind nicht nur Hunde die jeden Tag durch die Wiesen toben. Es sind auch Kinder die vielleicht beim spielen die lustigen blauen “Smarties” in den Mund stecken und dann (hoffentlich noch rechtzeitig) mit einer Vergiftung eingeliefert werden oder Menschen die auf ihren Blinden- oder Assistenzhund angewiesen sind um das tägliche Leben zu meistern. Diese Menschen können sich oftmals einen neuen Hund nicht leisten oder müssen sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Von den unerträglichen psychischen Schmerzen die man als Elternteil oder (Blinden- oder Assistenzhunde-) Hundehalter ertragen muss  einmal völlig abgesehen.

Respekt,  Toleranz und Empathie
Wir leben zusammen auf diesem Planeten und in dieser wunderschönen Stadt. Respektiert einander und nehmt vor allem Rücksicht aufeinander. Nur gemeinsam können wir es erreichen, dass sich die Situation für beide Seiten verbessert. Ihr wisst doch selbst nur zu gut, dass es so wie es derzeit läuft nicht funktionieren kann, sich die Fronten nur verhärten und der Hass aufeinander nur geschürt wird.

Sucht das friedliche und sachliche Gespräch und versucht euch in die Lage eures Gesprächspartners hineinzuversetzen statt Giftköder auszulegen oder als Hundehalter jegliche Kritik von euch zu weisen. Räumt die Hinterlassenschaften eures Hundes weg und nehmt Rücksicht auf eure Mitmenschen (und deren Hunde). Es ist so einfach, man muss nur wollen!

Screenshot aus Facebook:
Screenie FB Gruppe Giftwarnungen Wien und Umgebung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen und weiterführende Links:

Symbolbild: ©  Christina Kaden/pixelio.de

Piri

Medieninhaberin bei Verrücktes Hundsviecherl
Derzeit lerne ich im Lehrgang von Sheila Harper alles was man über das Training mit Hunden wissen sollte und lasse mich zusätzlich noch via Fernstudium zur Hundetrainerin und Verhaltensberaterin für Hunde ausbilden. Das Wichtigste im Leben sind für mich Tiere, aber vor allem natürlich mein Mann, unsere Mischlingshündin und unsere Katze.
Sonstige Interessen: Kreativ sein (schreiben, fotografieren, malen, ...) und diverse Hundebücher/-magazine lesen.

... und pssst! Manchmal bin ich mit Marzipan bestechlich. ;-)

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2 Antworten auf Respektvolles Miteinander

  • Super Beitrag!!
    zum Thema respektvolles Umgehen mit Mitmenschen, sollte ich mal so einen Giftstreuer erwischen, werde ich ihm selbstverständlich sehr respektvoll ane in die Goschn haun die er nimma vergisst!!!!

    lg Alex

    • Danke schön. : -)
      Alex, ich kann Deine Reaktion verstehen. Am liebsten würde ich solche Menschen auch windelweich prügeln um den Frust über meine “Hilflosigkeit als Individuum” zu dem Thema abzulassen, aber auch wenn die Sprüche abgedroschen sind ist an ihnen was wahres dran. Gewalt ist keine Lösung und Gewalt erzeugt nur Gegengewalt. Es hat ja seinen Grund warum es erst dazu gekommen ist. Es bringt nichts an die Symptome (respektvoll in die Goschn haun :p) ran zu gehen. Wir müssen u. a. die Ursache bekämpfen und das sind weitestgehend die Hundehalter die sich Rücksichtslos verhalten.

      Natürlich ist auch sonstiger Handlungsbedarf notwendig. Wie z. B. das Hunde bzw. Tiere im Gesetzt nicht mehr als “Sache” gesehen werden dürfen, sondern als lebendige Wesen. Das ist für mich auch so ein total unverständliches Thema. Da könnte man fast glauben das man noch in der Steinzeit lebt…

      LG
      Piri

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